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Zu der Ausstellung...

Eine Ausstellung über einen Krieg?

Vor fünfzig Jahren fanden in der Schweiz Feiern zum Gedenken an den 450 Jahre zurückliegenden Schwabenkrieg statt. Die Bedrohung der Schweiz im zweiten Weltkrieg bestimmte den Charakter der Anlässe von 1949 als patriotische Bekenntnisse zur Landesverteidigung und zur Unabhängigkeit der Schweiz. Diese Ausrichtung entsprach damals dem Zeitgeist und dem Empfinden der Bevölkerung.

Am Ende eines Jahrhunderts, das Europa mit zwei grossen Kriegen verwüstet hat, und in einem Jahr, in dem im selben Europa Menschen aus ihrer Heimat vertrieben und ihre Wohnstätten zerstört werden, mag niemand mehr "Schlachten feiern".

Aber die Abwendung von der patriotisch überhöhten Verklärung von Kriegstaten darf nicht dazu führen, dass ein Land aus ängstlicher Hilflosigkeit seine Geschichte zu vergessen beginnt. Die Ereignisse von 1499 hatten grosse politische Bedeutung für die weitere Entwicklung der Eidgenossenschaft und wir leben heute noch mit Grenzen und Nachbarschaften, die in diesem blutigen Konflikt festgeschrieben wurden.

Wenn drei Länder im Herzen Europas durch 500 Jahre in Frieden über die gleichen Grenzen zusammenleben, so ist dies ein Anlass, den Beginn dieses halben Jahrtausends friedlicher Nachbarschaft zu würdigen. Auch wenn es in der Natur eines Friedens liegt, dass ihm ein Krieg vorausgeht....

1499 als Wendepunkt der Landesentwicklung

Der Schwabenkrieg, der den Menschen jenseits des Rheins als Schweizerkrieg, in Graubünden als Tirolerkrieg und an der Etsch als Engedeinerkrieg in Erinnerung blieb, setzt der Ausdehnung der stetig wachsenden Eidgenossenschaft im Norden und Osten ein Ende. Die Aufnahmen von Basel und Schaffhausen in den Bund von 1501 und der Beitritt von Appenzell 1513 sind pragmatische Folgen des Krieges.

Damit entsteht jene 13-örtige "alte Eidgenossenschaft", die für fast dreihundert Jahre Bestand hat, bis sie sich 1798, geschwächt durch innere Spannungen und unter dem Druck französischer Bajonette, selbst aufgibt. Wichtigste Folge des Schwabenkrieges aber ist die faktische Ablösung vom römischen Reich deutscher Nation, die im Frieden von Basel nicht erwähnt, aber stillschweigend akzeptiert wird. Die eidgenössischen Stände fühlen sich zwar dem Reich noch zugehörig und setzten das Reichswappen bis ins 17. Jahrhundert über Ihre Stadttore und in die farbigen Standesscheiben ihrer Ratsstuben.

Aber mit dem Frieden von Basel wird legitimiert, was sich die Eidgenossen schon vor dem Schwabenkrieg ertrotzt haben:
Sie wollen nicht bezahlen, was sie nicht schulden, nicht gehorchen, was andere ihnen vorschreiben, kein Gericht anerkennen, das sie nicht selbst eingesetzt haben, mit einem Wort "frei sein".

Im Dreissigjährigen Krieg, der ganz Nordeuropa verwüstet und unendliches Leid verbreitet, bleibt die Eidgenossenschaft dank ihrer Unabhängigkeit vom Reich, dank Ihrer Neutralität und in Respekt vor ihrer militärischen Schlagkraft unversehrt. Als das apokalyptische Leiden 1648 endet, erhalten die Eidgenossen im Westfälischen Frieden mit Brief und Siegel das, was sie sich im Schwabenkrieg erkämpft haben: Die plena libertas, die volle Freiheit.

Und 1999?

Wir müssen uns heute nicht mehr gegen äussere Feinde für Unabhängigkeit und Freiheit wehren. Aber wir sind Zeugen, wie in Osteuropa und auf dem Balkan Völker und Ethnien für ihre plena libertas leiden und kämpfen, für Rechtsgüter, die uns längst selbstverständlich geworden sind. Zu unseren Freiheiten gehört es auch, jederzeit frei darüber entscheiden zu dürfen, was uns diese Freiheit wert ist, und wie weit wir sie für andere Ziele opfern wollen. Und so wird sie weiterbestehen, solange die Mehrheit der Bürger und die Mehrheit der Stände dies wollen.

Die Bilderwelt des Diebold Schilling

Die Mehrzahl der Schweizer Bilderchroniken ist vor dem Schwabenkrieg geschrieben worden. Nur die 1511 - 1513 entstandene Bilderhandschrift des Luzerner Stadtschreibers Diebold Schilling berichtet ausführlich und mit naiver Bildsprache über Hauptereignisse und Episoden von 1499. Schilling widmet die Chronik seinen gnädigen lieben heren, schultheissen und rät zu Lucern. Das macht uns verständlich, warum der Luzerner Anteil am Schwabenkrieg besonders betont wird.

Die Ausstellung zeigt in zeitlich geordneter Folge die 35 Bilder der Luzerner Chronik zum Schwabenkrieg auf 31 themenbezogenen Tafeln. Jedem Bild ist der manchmal ausschweifende Titel aus der Handschrift wörtlich beigegeben. Ein Kurztitel bezeichnet das Thema, die kursiv geschriebene Bildbeschreibung weist hin auf Einzelheiten der Darstellung.

Der mit einem Datum des Kriegsjahres 1499 versehene Textteil geht dann in freier Würdigung auf die jeweilige Bildthematik ein. Für diese Texte wurden neben den bekannten Schweizer Quellen auch die Berichte von Zeitzeugen aus dem Umfelde des späteren Kaisers Maximilian I. einbezogen. Massgeblich geprägt wird unsere heutige Sicht dieser Zeit durch die Forschungsarbeiten von Walter Schaufelberger, Christian Padrutt, Werner Meyer und Roger Sablonier, die seit des Mitte dieses Jahrhunderts ein neues Bild des Schweizer Kriegers jener Zeit gezeichnet haben. Es sind nicht mehr die Heroengestalten der Feiern von 1899; statt makelloser Helden stehen uns Menschen mit allen ihren Schwächen gegenüber. Und auch den Schwabenkrieg erkennen wir heute nicht mehr als unausweichlichen Unabhängigkeitskampf, sondern als einen Konflikt, den keiner der Gegner wirklich wollte. Wie sehr seine Auswirkungen dennoch die heutige Realität der Schweiz bestimmen, erkennen wir, wenn wir einmal annehmen, die Eidgenossen wären in den massgeblichen Schlachten zwischen Calven und Dornach fünf Mal vernichtend geschlagen worden. Die Landkarte sähe anders aus: Am Skilift in Klosters würden wir wohl mit Schilling bezahlen, der Rheinfall hätte ein deutsches Ufer, die Basler Fasnacht wäre Teil des badischen Maskentreibens und bei Feldschlösschen würde Bier nach deutschem Reinheitsgesetz gebraut...

Die Texte sind so angelegt, dass sie auch einzeln verständlich sind. Sie müssen sich also nicht durch die ganze Ausstellung lesen, sondern können auf einzelne Bilder zugehen, die Ihnen besonders gefallen.

Die nächste Tafel gibt Ihnen die Kurztitel in chronologischer Reihenfolge und zeigt auf der Karte mit den Nummern 1 - 30, wo sich das Ereignis zugetragen hat.

Wir wünschen Ihnen beim Erkunden des fernen Jahres 1499 viel Vergnügen

FORUM 1499

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