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Thema 28: Viehraub bei Altenhewen im Hegau

"Wie die knächt, so zu Schaffhusen im zusatz lagend, ouch ein erliche tat begiengend"

Erneut packt Diebold Schilling eine ganze Geschichte in ein einziges Bild: Ein paar eidgenössische Knechte treiben gestohlenes Vieh von der Weide, zwei Späher auf einem Baum sollen die Aktion absichern. Sie erkennen zwei Frauen, die die Besatzung der Burg Altenhewen zu Hilfe rufen. In Vordergrund dann der Kampf mit dem schwäbischen Haufen. Im Hintergrund die Burg Altenhewen bei Engen, etwa vier Stunden im Nordosten von Schaffhausen.

 

Juli 1499

Der Strauss von Altenhewen ist eines der ungezählten Scharmützel zwischen den Knechten, die entlang des Rheines auf beiden Seiten "in zuesätzen", also als Verstärkung auf Vorposten liegen. Und Aufnahme in die Luzerner Chonik findet die Geschichte mit dem Viehraub wohl nur, weil mit dem erst 24-jährigen Melchior zur Gilgen ein Mitglied des Luzerner kleinen Rates an diesem privaten Raubzug beteiligt ist. Als Schilling 1513 seine Chronik schreibt, gehört zur Gilgen zu den führenden Köpfen der Stadt. Typisch für den Schwabenkrieg ist die eigenmächtige Aktion von vierzig Knechten aus allen Orten der Eidgenossenschaft, die nach wochenlagem, tatenlosem Garnisonsdienst nicht mehr zu halten sind. Das Gerücht von fetten Ochsen auf einer Weide in Feindesland lässt sie ohne Ordnung "uss der stadt louffen". Als sich ihnen die mehrfache Übermacht der Besatzung von Altenhewen in den Weg stellt, müssen sie sich erst einmal zu einer Truppe formieren: "...und wurffend under inen ein hoptmann uff. Der machet nu ein ordnung...". Nachdem die schwäbischen Knechte die Eidgenossen einmal mehr als "Kuhmäuler" verspottet haben, kniet das Häufchen zum Gebet nieder und greift dann die Übermacht mit solcher Wut an, dass die Schwäbischen fliehen. So erleben wir den Schweizer Knecht dieser Zeit immer wieder: Wenn Gefahr droht, findet man sich rasch zusammen und kämpft tapfer und mit dem legendären furor helveticus. Aber sobald der äussere Druck weicht, zerfällt die Disziplin im Beutelaufen kleiner und kleinster Gruppen.