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Thema 21: Der Drache von Luzern

"Wie zu Lucern ein grosser track durch die Rüssbruck die Rüss nider schwam, das vil lüten gesahend"

Getreue Luzerner Stadtansicht mit den rechtsufrigen Häusern zwischen Fischerstatt und Reussbrücke. Im Hintergrund die Museggtürme. Neben dem Männliturm ganz links mit seiner eigentümlichen Wächterfigur auf der Turmspitze erscheint ein sternbekrönter Stierkopf am Himmel. Von der Reussbrücke aus verfolgen Passanten einen Drachen, der reussabwärts schwimmt. Im Vordergrund die Schifflände mit einem Belag aus grossen Sandsteinplatten.

 

26. Mai 1499

Die Menschen des Spätmittelalters sind nicht nur gläubig, sondern auch offen für alle Wundergeschichten. Besondere Erscheinungen in der Natur werden gerne phantastisch ausgeschmückt und zu Wunderzeichen erhoben. Um Zweifel zu zerstreuen, erwähnt Diebold Schilling immerhin, dass viele Leute den Drachen gesehen hätten. Und er bringt auch gleich die Wundererscheinung des sternbekrönten Stierkopfs ins Bild, die in diesen Tagen im fernen Elsass am Himmel beobachtet wird. Obwohl man solche Erscheinungen gern als Zeichen für ein bevorstehendes Ereignis deutet, schreibt Schilling ganz bescheiden: "Was das aber bedüt, mocht nieman wüssen".