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Thema 20: Schlacht an der Calven

"Wie die Puntlüt den Eidgnossen verküntend iren syg und stritt uf der Malserheid"

Im Gegensatz zu Konstanz und Dornach kennt der Chronist weder die Örtlichkeit, noch hat er Detailkenntnisse des Schlachtverlaufs. Vor einem gebirgigen Hintergrund zeichnet er darum einfach königlichtirolische Truppen, die vor den vordringenden Bündnern zurückweichen. Die Königlichen mit zwei Landsknechtfahnen mit Andreaskreuz, die Tiroler mit ihrem roten Adler, die Gotteshausleute mit ihrem Steinbock und der Graue Bund mit seinem grau-weissen Feldzeichen. Der Zehngerichtebund fehlt.

 

22. Mai 1499

Ähnlich wie bei Frastanz haben die Königlichen zum Schutz ihrer Lager rund um das Vinschgauer Städtchen Glurns den Zugang vom bündnerischen Münstertal her in der Talenge der Calven mit einer starken hölzernen Letzi gesperrt. Die Bündner wollen losschlagen, bevor das königliche Heer Zuzug erhält oder der König mit neuen Truppen zuzieht. Wie bei Frastanz erscheint die Letzi zu stark für einen Frontalangriff. Und wieder versuchen die Angreifer mit einer nächtlichen Umgehung hinter die Talsperre zu gelangen. Auch hier gerät die Umgehungskolonne auf ihrem Weg in Scharmützel, an der Marengobrücke im Rücken der Schanze aber kommt sie in Bedrängnis. Nach anfänglichem Zögern des Hauptharstes kommt es dann doch zum Sturm auf die Schanzen, zwei rechtzeitig vor Gutenberg abgezogene Feldschlangen der Burg Mesocco helfen beim Durchbruch auf der rechten Talseite. Das königliche Heer flieht unter grossen Verlusten. Am Tage nach der Schlacht verwüsten die Bündner das Vinschgau bis nach Schlanders hinunter, alle männlichen Bewohner über 12 Jahren werden niedergemacht. Die fliehenden Königlichen sind nicht weniger grausam: Im Meran töten sie auf bestialische Weise die 38 Engadiner Geiseln, die seit Ende März dort gefangen liegen. Am 25. Mai ziehen die Bündner mit ihrer Beute, fünf Halbschlangen, einem "Strittbüxlin" und dem erbeuteten Tiroler Fähnlein aus dem Münstertal ab. Kaum haben sie das Feld geräumt, zieht König Maximilian am 29. Mai mit einem frischen Heer im zerstörten Glurns ein.