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Thema 14: Austausch von Gefangenen

"Wie Peter Russ von Lucern uss gefengniss gelöst wart von denen, die zu Tüngen gefangen wurdend"

Gefangenentausch auf offener Strasse, möglichweise vor Rappoltsweiler (Ribeauvillé) nahe Colmar. Der blau-weiss gekleidete Standesbote von Luzern übergibt zwei berittene Adlige, der Vertreter mit dem Botenschild des römischen Reiches bringt den gefangenen Peter Russ zum vereinbarten Platz des Austausches.

 

April 1499

Obwohl die Tagsatzung schon am 11. März entschieden hat, dass in diesem Krieg keine Gefangenen gemacht würden, blüht der Handel mit Geiseln, die wegen ihres Standes oder ihres Vermögens ein lohnendes Lösegeld erhoffen lassen. Eine solche Begebenheit schildert Diebold Schilling hier wohl wegen des Bezuges zu seiner Stadt Luzern: Bei der Einnahme von Tiengen wird zwar freier Abzug gewährt, der Adel und die wohlhabenden Juden aber sind davon ausgenommen. Auch die Luzerner erhalten als "Tiengener Beute" zwei schwäbische Adlige. Nun erinnert man sich an der Reuss eines Luzerners in schwäbischer Gefangenschaft, den man schon lange freikaufen wollte. Peter Russ, geachteter Bürger und Bruder des Schultheissen, hat in Paris seinen Sohn besucht, der dort an der Universität studiert. Nichts wissend von dem Ausbruch eines Krieges gerät er auf dem Heimweg beim elsässischen Kaysersberg in die Hände der Rappoltsteiner, die ihn als Geisel auf ihrer Burg festhalten. Er kommt nun frei gegen die beiden Edelleute, die in Tiengen gefangen wurden.